Training für die Situation, nicht in der Situation
"Wo belohnt man denn hier?" ist eine Frage, die sehr oft gestellt wird. Von Hundemenschen, unseren Kund:innen aber teilweise auch von anderen Trainer:innen.
Der belohnungsbasierte Ansatz wird dann oft hinterfragt, weil scheinbar Belohnungen in gewissen Situationen - insbesondere wenn es um Aggressions-, Angst- oder Jagdverhalten geht - nicht funktionieren.
Und ja: Dem ist so. Ein aggressiver Hund wird sich nie auf Belohnungen einlassen können. Das Donnern bei einem Gewitter kann für einige Hunde immer furchteinflössender sein als der angebotene Kauknochen. Und ein über das Feld hüpfender Hase kann immer attraktiver sein als die Leckerlis in meiner Tasche.
"Wie aber", so dann oft die Folgefrage, "belohnt man dann in solchen Situationen?". Oder, anders gefragt: Wie funktioniert denn belohnungsbasiertes Training hier überhaupt?
Genau diese Frage scheint für viele oft ein Mysterium zu sein. Und deshalb hier eine kurze, knackige Aufklärung.
Im belohnungsbasiertem Training gilt ein Grundsatz: Wir trainieren FÜR eine Situation, und nicht IN einer Situation.
Mit Belohnungen, insbesondere Futter, zu arbeiten, währenddessen ein Hund gerade eskaliert, funktioniert nicht. Ein Hund, der gerade voller Freude ein Reh hetzt, wird nur ein müdes Lächeln für die Futtertube übrig haben. Und ein verängstigter Hund, der sich gerade unter den Schreibtisch zurückzieht, wird nie und nimmer den Kong schlecken. NOCH NICHT.
Denn belohnungsbasiertes Training ist viel mehr als Leckerli werfen: Hier schauen wir uns an, wo genau der Ursprung eines Verhaltens liegt:
Warum verhält sich ein Hund in gewissen Situationen wie er sich verhält? Was ist seine Motivation? Was ist das (funktionale) Ziel des Verhaltens? Was ist die Emotion dahinter? Diese Analyse ist das A und O im belohnungsbasierten Hundetraining, denn sie definiert ein Stückweit das Vorgehen.
Das Vorgehen selbst ist keine Hexerei. Es wird mit Management-Massnahmen gearbeitet, sodass einerseits das Verhalten wenn möglich nicht mehr gezeigt wird und andererseits der Mensch bereits eine erste, wirksame Handlungsanweisung besitzt. Parallel dazu wird ein Alternativverhalten aufgebaut. Es wird gefragt: "Was kann der Hund stattdessen tun?". Wird das Fehlverhalten von einem Artgenossen, von Gewitter, von Rehen und Hasen, ausgelöst, wird parallel dazu an diesen gearbeitet: Die Emotion wird geändert. Im Jagdverhalten wird an der Attraktivität des Menschen trainiert. Es wird gegenkonditioniert, desensibilisiert. Es wird ein Notfall-Sitz trainiert oder ein Notfall-Rückruf aufgebaut. Die Liste an potenziellen Möglichkeiten, um gerade auch Fehlverhalten wie Aggression oder Jagdverhalten zu ändern, ist schier endlos.
Im belohnungsbasierten Training sucht man nicht die Eskalation und Konfrontation, sondern findet die Lösung für Probleme. Simple as that.